Interview

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Service: Rehm plädiert für mobiles Rathaus

Der Stadtrat plädiert für einen zusätzlichen Bürgerservice und sagte, dass OB Gerlach das Thema falsch verkauft

 

 



AALEN - Stadtrat Norbert Rehm (Aktive Bürger) befürchtet, dass die jüngste Auseinandersetzung zwischen Oberbürgermeister Martin Gerlach und den Ortsvorstehern die Stadt spaltet. Dies dürfe nicht sein, schreibt er an den OB. Als mögliche Lösung schlägt der Stadtrat ein mobiles Rathaus vor. Redakteur Ulrich Geßler hat sich mit Rehm unterhalten.

Herr Rehm, Sie schlagen ein mobiles Rathaus vor. Was verstehen Sie darunter?

Besser ist, von einem mobilen Rathausteam zu sprechen, das eine zusätzliche Serviceleistung erbringt. Das könnten drei Mitarbeiter des Bürgeramts sein, die die für die Bürger wichtigen Dienste nicht nur im Aalener Rathaus anbieten, sondern genauso in den Rathäusern der Teilorte. Ich stelle mir vor, dass diese Mitarbeiter auch Bürger, die nicht mehr so mobil sind, ich denke da zum Beispiel an ältere Menschen und Menschen mit Handicaps, zuhause besuchen. Wichtig ist, dass dieses mobile Team hoch kompetent ist.

Sie stellen also die Rathäuser in den Teilorten nicht infrage?


Diese Dienststellen muss es geben. Wobei ich den Service selbst nicht an Gebäude oder feste Öffnungszeiten koppele.

Sie stellen den Servicegedanken als solchen in den Mittelpunkt Ihrer Überlegungen?

Mir geht es um zweierlei. Einerseits müssen wir sparen und andererseits müssen wir den Service für die Bürger verbessern – und zwar in der Gesamtstadt. Das gilt genauso für die Bürger im Pflaumbach, in der Triumphstadt und allen anderen Stadtteilen. Die aktuelle Diskussion droht aber daran zu scheitern, dass nur über die Reduzierung von Öffnungszeiten geredet wird. Wir müssen aber den tatsächlichen Bedarf im Blick haben und der ist mit einem mobilen Service besser zu befriedigen.

Den Sparbemühungen sind damit aber Grenzen gesetzt.

Wir könnten Stellen auf den einzelnen Rathäusern einsparen, wenn auch vielleicht nicht in dem von der Verwaltung angepeilten Umfang.

Wenn ich Sie richtig interpretiere, liegt die Verwaltung damit gar nicht so falsch mit ihrem Vorschlag, die Ortschaftsverwaltungen neu zu organisieren?


Im Kern liegt die Verwaltung richtig. Und ich glaube auch, dass das Organisationsamt und die Kämmerei hier eine gute Vorarbeit geleistet haben.

Wo ist dann das Problem?

Oberbürgermeister Martin Gerlach verkauft das Thema falsch. Zum widerholten Mal ist es passiert, das der OB ein großes Thema in den Raum stellt oder es per Podcast verkündet. Ergebnis ist, dass in Aalen viele Probleme zerredet werden, bevor sie überhaupt in den Gemeinderat kommen. Damit steht oftmals ein Nein fest, und wir haben noch nicht einmal darüber diskutiert.

Das Nein vor der Diskussion kam dieses Mal von den Ortsvorstehern. Haben die sieben Frauen und Männer damit überreagiert?

Die Ortsvorsteher haben aus ihrer Interessenlage das Beste gemacht, sie müssen zuerst auf ihren jeweiligen Teilort schauen. Aus Sicht der Gesamtstadt sind sie zu weit gegangen.

Welche Chance geben Sie Ihrem Vorschlag?


Unechte Teilortswahl, Bürgerbeteiligung und Einsparungen im Verwaltungsbereich sind wichtige, aber unterschiedliche und sehr komplexe Themen. Zur Lösung der Zukunftsprobleme der Stadt muss jetzt in allen Bereichen zuerst sachlich und nüchtern die Situation analysiert, objektiv informiert und dann diskutiert werden. Auf keinen Fall dürfen unterschiedliche Themen miteinander vermengt werden, weil sie sonst Gefahr laufen, in einem Aufwasch abgelehnt zu werden. Mein Vorschlag eines mobilen Rathausteams ist der Versuch, den gordischen Knoten zu zerschlagen, den die Verwaltung geknüpft hat, indem sie mehrere Themen vermengte.

Kein verspäteter Faschingsscherz und auch nicht gar so wörtlich gemeint, wie es das Foto zeigt. Doch das Ziel stimmt: Norbert Rehm plädiert für ein mobiles Rathaus. Fotomontage: Thomas Siedler

 

© Aalener Nachrichten 10.03.2011